1993 kam Cornelia Papsch als Werkstudentin zur Bertelsmann Medien-Service GmbH (BMS) in Leipzig; Brigitte Witzer hatte dort gerade als Geschäftsführerin mit einer strategischen Neuausrichtung begonnen. Seither hat sich Cornelia Papsch beruflich neu ausgerichtet: Sie fand ihren persönlichen Schwerpunkt in der Aufstellungsarbeit. Im letzten Jahr nahm sie an der evolutionen-Zertifizierung zum Business Coach teil und sammelt heute praktische Erfahrungen im Business Coaching bei evolutionen in Bonn. Das folgende Interview stellt damit eine neue Mitarbeiterin vor und gleichzeitig das Instrument „Aufstellungen im Coaching“.
evolutionen: Aufstellungsarbeit im Business Coaching – warum eigentlich? Und was genau müssen wir uns darunter vorstellen?
Cornelia Papsch: Wir können mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass die Dinge in Bewegung kommen, wenn im Coaching mit Aufstellungen gearbeitet wird. Es ist per se immer eine sehr bewegende Arbeit für den Klienten sowie für den Coach.
O.k., jetzt mal ganz konkret! Ich begreife das Business Coaching als ein verbindendes und klärendes Element zwischen Manager oder Unternehmer in seiner Funktion als Führungs- und Leitungspersönlichkeit und seinem Verständnis der Abläufe in seiner Organisation. Ganz deutlich gesagt, ist die Aufstellungsarbeit eine Methode, um auf Systemebene zu begreifen: Wie funktioniere ich als Manager? Und wie funktioniert das Unternehmen, in dem ich mich befinde?
Gegebenenfalls ist sie auch eine Methode, die die Klarheit fördert, das eine vom anderen zu unterscheiden oder sich als Teil des Systems Unternehmen zu verstehen. Natürlich können Manager und Unternehmer dies vielfach und erfolgreich aus sich selbst heraus – aber eben nicht immer. So versteht sich Aufstellungsarbeit eher als Ergänzung, um die auf der Systemebene unbewusst wirkenden Dynamiken zu erhellen, leichter begreifbar zu machen und dieses greifbare „systemische“ Wissen für ein gutes Tun im Sinne des Unternehmens für sich zu nutzen.
Wer sich mit Systemtheorie oder systemischer Arbeit beschäftigt hat, weiß, dass diese Ebenen großen Einfluss auf Verhalten und laufende Prozesse haben. Coaches, die mit Aufstellungen im Business arbeiten, sehen ihre Klienten und deren Unternehmen aus dieser Warte und arbeiten gemeinsam die auf dieser Ebene unbewusst blockierenden Dynamiken heraus, um sie zu lösen. Ergebnis: Die Energie, die Blockaden bindet, steht dem Klienten wieder für andere Arbeitsprozesse zur Verfügung.
evolutionen: Wann sind Aufstellungen als spezifisches Element im Coaching sinnvoll für Manager?
Cornelia Papsch: Hier würde ich gern einige Beispiele nennen und über drei verschiedene Ebenen sprechen.
Ganz praktisch gilt (erstens): Wenn jemand erzählt, dass ihm immer wieder das gleiche passiert, wenn auch in etwas anderer Ausprägung, dann wäre ein Coach, der mit Aufstellungen arbeitet, goldrichtig. Das könnte sein bei Führungsproblematiken, die einer schon mehrfach gedreht und gewendet hat und trotzdem immer wieder in der gleichen Situation oder an ähnlicher Stelle landet.
Oder wenn jemand den Eindruck hat, immer wieder vor der gleichen Herausforderung zu stehen, das eigene Verhalten jedoch nicht verändern zu können, obwohl klar ist, wo die Fehler liegen.
Auch problematische Themen lassen sich so gut auflösen – Themen, von denen man insgeheim weiß, dass sie „dran“ sind, sich aber nicht so richtig traut.
Um Ziele zu erreichen oder zu verändern ist die Aufstellungsarbeit ebenfalls eine sinnvolle Methode: Wir benennen damit die Tatsachen, finden den systemdynamischen Ursprung, erkennen diesen an, um ihn dann zu lösen und die Energie, die diese Blockade bindet, anders und sinnvoller in die Arbeit als Führungskraft einfließen zu lassen. Das ist einer von mehreren guten Wegen, um als Manager in eine Haltung zu kommen, mit der ich meine Mitarbeiter klar und menschenwürdig für Unternehmensziele gewinnen kann. Ähnliches gilt für Situationen, in denen Manager immer wieder mit einem bestimmten Typ „Vorgsetzter“ in Konflikte geraten.
Schaue ich zweitens und weitergehend auf den Manager innerhalb seiner Karrierelaufbahn, macht Aufstellungsarbeit noch mal einen anderen Sinn. Da geht es um die Beantwortung von Fragen wie: Bin ich im richtigen Unternehmen? Und bin ich am richtigen Platz in meinem Unternehmen? Wer sich ganz im postheroischen Sinne fragt, ob das Unternehmen zu ihm passt, der kann über den Einblick auf der Systemebene seine Antworten dazu finden: Wie funktioniert das Unternehmen, in dem ich gerade bin? Fühle ich mich auf dieser Ebene wohl? Was brauche ich dafür?
Schaue ich drittens darauf, was ein Manager oder Unternehmer sinnvolles mit Aufstellungen für sein Unternehmen tun kann, bewegen wir uns im Bereich der reinen Organisationsaufstellungen. Dann geht es um den Einblick in das System seines Unternehmens, seiner Geschäftsbereiche und seiner Ziele. Mit Aufstellungen kann man hier neue Perspektiven gewinnen für Fragen wie: Wie wirken die einzelnen Teile aufeinander? Wo gibt es Störungen oder Reibungsverluste? Wo könnte es besser laufen? Wie ist das zu erreichen?
Mit einer Organisationsaufstellung lassen sich neue Impulse gewinnen für die Wahrnehmung im Hinblick auf das, was Geschäftsprozesse hindern kann und was sie fördern kann - nicht nur auf personeller Ebene und auf der Ebene der systemimmanenten Teile, auch in der Rolle als Geschäftsführer, der verantwortlich ist für die Unternehmensausrichtung, Strategie und für gewinnbringend fließende Geschäftsprozesse.
Um mit Organisationsaufstellungen kraftvoll und lösungsorientiert arbeiten zu können, ist es sinnvoll, das in Seminarform zu tun. In einem solchen „Setting“ arbeiten Aufsteller und Klienten mit der „Weisheit der Vielen“, gewinnen über die Wahrnehmungen anderer wertvolle Informationen und schnell tiefere Einblicke in Systemdynamiken; kraftvollere Lösungen sind möglich.
evolutionen: Wo sind die Grenzen?
Cornelia Papsch: Aus systemtheoretischer Sichtweise geht es bei Aufstellungen immer um die Selbsterhaltung des Systems. Man kann schauen, wie „Störungen“ wirken und welche erhaltenden und ausgleichenden Lösungen es geben kann. Sinnvoll ist es also, sie bei Problematiken mit wirklichem Leidensdruck anzuwenden. Sie sind bei existenziellen Entscheidungen für Unternehmen und Manager eine hilfreiche Methode. Darüber hinaus ist wenig möglich.
Um auf das Einzelcoaching zurück zu kommen, auch hier gibt es Grenzen: Die Aufstellung hilft, durch Einblicke oder Lösungen auf der systemischen Ebene Dynamiken und Prozesse, die das Verhalten als Manager beeinflussen, auf einer tieferen Ebene zu verstehen. Die Umsetzung dieses Wissens ist aber eine zweite Sache. Hier geht es um konkrete Arbeit an Mustern, Verhaltensänderungen und „Innovation“.
evolutionen: Warum und was heißt Junior Business Coaching?
Cornelia Papsch: Über mein Verständnis von Business Coaching habe ich ja jetzt schon einiges erzählt. „Junior“ heißt für mich: hohe Fachkompetenz gekoppelt mit einer ersten, soliden Basis an Feldkompetenz. Anders gesagt: das Handwerkszeug des Coachings gelernt und erste Erfahrungen gemacht haben.
Im Coaching selbst bin ich Fachfrau mit einem hohen Maß an Wissen, Intuition und Integrität. Das ist die eine Sache.
Die zweite Sache ist praktische Coachingerfahrung im Business. Da bin ich „Junior“. Die Supervision der eigenen Arbeit im Unternehmen, daraus lernen, das Gelernte direkt wieder anwenden auf neue Coachingprozesse – das alles macht für mich im „Junior-Status“ einen zentralen Teil der Arbeit aus.
Mit der Unterstützung durch Head Coaching ist mir als „Junior“ in dieser Arbeit wichtig: klar mit eigenen Themen zu sein. Das sichert in meinen Augen den Weg zu höchstmöglicher Kompetenz, den Weg zu meinen eigenen Schwerpunkten und persönlichen Entwicklungsfeldern. Nicht zuletzt geht es mir mit dem Juniortitel auch darum, nach außen klarzumachen, wo ich zur Zeit stehe, ganz im Sinne von Authentizität und Integrität.
evolutionen: Warum Business? Warum Coaching?
Cornelia Papsch: Das Business hat großen Einfluss auf unsere Gesellschaft und die Menschen – Geld und Werte sind in Bewegung, werden hier gesteuert. Business ist ebenfalls ein Feld größtmöglicher Manipulationsmöglichkeiten und härtester Machtspiele. Ich sehe neben Zahlen, Daten, Fakten und Siegern ausgeprägte Kämpfe im Business und schaue wertschätzend auf die Menschen, die sich in diesem Feld bewegen.
Ein menschenwürdiges Handeln, im doppelten Sinne, ist mir wichtig, nämlich gewinnende Unternehmen mit Managern, die für sich und ihre Sache ihre Mitarbeiter gewinnen: Menschenwürde im Business. Es geht nicht darum, Schuldige zu suchen, bei Misslingen Verantwortung auf andere zu schieben und mit den besseren Verdeckungsstrategien zu gewinnen.
Coaching ist mein Weg: Mir persönlich geht es um ent-decken. Das bedeutet, bei sich zu bleiben, an Klarheit zu gewinnen, eigenverantwortlich zu handeln: sich auf den Weg machen, um mit mehr Integrität zu führen und die eigene Macht positiv einzusetzen. Das Business braucht Menschen, die in der Auseinandersetzung mit solchen Begrifflichkeiten zu Orientierung verhelfen können. Genau dafür trete ich an und ein.
Danke für das Gespräch!
Das Interview führte Brigitte Witzer.
„So einen Workshop hätt’ ich mir früher gewünscht!“ Das haben wir jetzt mehrfach gehört, von Kollegen und Kundinnen, von Verwandten und Freunden – eben überall da, wo wir mit unserem Konzept für ein erstes Seminar zur Berufszielklarheit angeklopft und nachgefragt haben. Wir wollten wissen, ob für unser erfolgreiches Managementseminar, die „Zielplanung“, eine Modifikation für Schüler der Klassen 12 und 13 oder für Studienanfänger möglich ist, die genauso professionell und zielgerichtet das Thema Beruf und Zukunftsklarheit aufgreift. Und wir wollten ermitteln, ob außerhalb von evolutionen die Menschen denken, dass das sinnvoll wäre.Quelle: Der Brockhaus: in 15 Bänden. Permanent aktualisierte Online-Auflage.
Leipzig, Mannheim: F. A. Brockhaus 2002–2006.
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